Warum Landesgartenschau?

Stadtentwicklung in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Ausgangslage
Mit dem Ministerratsbeschluss vom 20. September 2016 hat die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler den Zuschlag für die Durchführung der 5. rheinland-pfälzischen Landesgartenschau im Jahr 2022 erhalten. Auf dieser Grundlage wurde am 24. Mai 2017 die Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler 2022 gGmbH gegründet und mit der Vorbereitung, Durchführung, Abwicklung sowie dem Rückbau der Landesgartenschau 2022 auf Grundlage der Bewerbung betraut. 

Nach Abschluss der Konstituierung der Gesellschaft und der Durchführung eines europaweiten freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs mit Ideenteil zur Umgestaltung der Daueranlagen in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, wurde Mitte des vergangenen Jahres die Geschäftsführung der Gesellschaft neu aufgestellt. Die Gesellschaft verfügt aktuell über sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (inkl. Geschäftsführung) und wird bis zum Jahresende 2019 auf einen Personalstamm von ca. 10 Personen anwachsen.
Bei der Landesgartenschau 2022 geht es um das Thema Ganzheitlichkeit in allen Facetten. „Ganz“ bedeutet ursprünglich heil, unverletzt, vollständig. Ganzheitlich ist demnach die Betrachtung einer Sache in der systemischen Vollständigkeit aller Teile sowie in der Gesamtheit ihrer Eigenschaften und Beziehungen untereinander. 

Leitidee / Inhalt der Bewerbung
Mit der Leitidee der Bewerbung zur Landesgartenschau soll Bewusstsein für die Zusammenhänge menschlichen Lebens geschaffen werden. Daher bezieht sich das Leitmotiv der Ganzheitlichkeit auf alle Lebensbereiche. Ganzheitlichkeit als Art der Betrachtung, als medizinisches Prinzip und als pädagogischer Ansatz (Lernen mit allen Sinnen), der auch für die Sicht auf politische Prozesse mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Mit dem Prinzip der Ganzheitlichkeit soll aber auch zum Ausdruck gebracht werden, dass in einem „Organismus Stadt“ alles in die Betrachtung gehört, was lebt und Leben ausmacht: Alt, jung, gesund, krank, Arbeit, Sport, Spiel und Freizeit, Gestern, Heute und Morgen, Kultur, Natur, Unterschiedlichkeit, Vielfalt und Gleichheit.

Die Landesgartenschau 2022 wird zudem eine Gartenschau mitten in der Stadt sein. Auf einer Strecke von ca. 6 km Länge erstreckt sich das Ausstellungsgelände entlang der Ahr und verbindet die beiden zentralen Ortsteile Bad Neuenahr und Ahrweiler. Mit dieser zentralen Lage verbunden sind zahlreiche Herausforderungen in der Vorbereitung und Durchführung der Landesgartenschau, insbesondere während der Bauphase und hinsichtlich verkehrlicher Aspekte im Veranstaltungsjahr.  In besonderem Maße ist diese Lage mitten in der Stadt jedoch eine Chance, da die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau nicht nur das Veranstaltungsgelände, sondern auch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Ausstellungsfläche wahrnehmen werden.

Auch aus diesem Grund ist ein spezieller Focus auf die Verbindung von nachhaltiger Stadtentwicklung und gesunden Lebensbedingungen gerichtet. Unter Achtung gewachsener Identitäten, natürlicher Ressourcen und historischer Errungenschaften sollen für das Heilbad Bad Neuenahr und die gesamte Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler mit ihrer ausgeprägten Gesundheitstradition zukunftsweisende Konzepte entwickelt werden. Mit dem Schlagwort „gesunde Stadt, gesundes Leben“ wurde diese Leitidee im Rahmen der Bewerbung zusammengefasst und für die Landesgartenschau 2022 zum Slogan „Auf das Leben!“ weiterentwickelt.

Touristische Bedeutung
Die gesamte Planung der Landesgartenschau ist vor diesem Hintergrund darauf ausgerichtet, langfristige Impulse für die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Region zu setzen. Flächen, die im Zuge der Landesgartenschau saniert, aufgewertet oder entwickelt werden, werden zum weit überwiegenden Teil auch in der Nachnutzung als öffentliche Grünanlagen genutzt. Städtebauliche Impulse, die anlässlich der Landesgartenschau gesetzt werden, werden als Zukunftsinvestition in die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler betrachtet. 
Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Region Ahrtal üben bereits jetzt aus vielerlei Gründen eine große Anziehungskraft auf unsere Gäste aus. Die Investitionen im Zuge der Landesgartenschau sollen dazu beitragen, dieses erfolgreiche Zusammenspiel von Landschaft, Infrastruktur, Genusserlebnis, Wellness, Geschichte und kulturellen Angeboten zu festigen und für die Zukunft zu sichern. Hier aber kommt die bewusstseinsbildende Funktion einer Landesgartenschau noch einmal zur Geltung: Zusammenhänge darstellen und Ganzheitlichkeit spürbar machen.

Gleichwohl sieht die Planung einige deutliche, auch touristisch relevante Änderungen am Bestand vor, die durchaus als „Leuchttürme“ zu bezeichnen sind. Die Gestaltung und komplette Neuanlage einer urbanen Ahr-Promenade im Ortsteil Bad Neuenahr, die Sanierung und Vervollständigung der öffentlichen Grünanlagen rund um die historische Stadtmauer von Ahrweiler mit einer Zugänglichmachung des Ahrtors oder die Ergänzung der überörtlichen Wanderwege mit besonderen Attraktionen (der Bau eines Skywalkes und einer Hängebrücke werden geprüft) sind hier beispielhaft zu nennen. Kein „Leuchtturm“, für die touristische Infrastruktur, aber von besonderer Bedeutung ist der in der Nachnutzung geplante Wohnmobilhafen am Apollinarisstadion in Bad Neuenahr – eine signifikante Erweiterung der touristischen Infrastruktur im Stadtgebiet.

Von herausragender Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des Tourismusstandortes ist die zum Jahresbeginn 2019 vollzogene Bündelung aller touristischen Kräfte in einer gemeinsamen Gesellschaft. Ahrtal-Tourismus, Ahrwein e.V., die Werbegemeinschaften der Stadt, die städtische Wirtschaftsförderung, das städtische Citymanagement und die Heilbad GmbH als Trägerin der Heilbades Bad Neuenahr wurden unter dem Dach der „Ahrtal- und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH“ zusammengeführt. Damit wird für die Zukunft sichergestellt, dass Kräfte gebündelt, Synergien ausgenutzt und ein abgestimmtes Handeln aller relevanten Akteure zum Wohle des gesamten Standortes erfolgt. Für diese im besten Sinne nachhaltige Organisationsentscheidung hat die Landesgartenschau 2022 den Impuls gesetzt.

Städtebauliche Bedeutung
Neben den touristischen Leuchttürmen wird die Landesgartenschau 2022 insbesondere von den städtebaulichen Leuchttürmen geprägt. Hierzu gehört die Schaffung des Bahnhofsquartiers Bad Neuenahr mit der Errichtung eines Inklusionshotels, das neue Wohnquartier „Auf den Steinen“ mit dem Schwerpunkt „Bauen mit Holz“ sowie die Errichtung eines integrativen Mehrgenerationenquartiers, welches Wohnraum für Menschen mit Behinderung, Alleinstehende aller Altersgruppen, Räumlichkeiten für die Arbeit mit behinderten Menschen und einen Kindergarten unter einem Dach vereint. Neue Wohnformen werden zudem im Zuge der Neuerrichtung der Grundschule Bad Neuenahr, in welcher die Räumlichkeiten einer Schule mit Wohnangeboten kombiniert werden sollen, sowie bei der Entwicklung des Wohngebietes „St-Pius-Straße“, in dem vordringlich Wohnraum für in der Stadt Beschäftige Menschen als neue Form der „Werkswohnung“ geschaffen werden soll, realisiert. Von besonderer Bedeutung für den Stadtteil Ahrweiler wird die im Vorfeld der Landesgartenschau durch die Kirchengemeinde geplante Fassadensanierung der St.-Laurentiuskirche sein.

Vorbereitungsstand / Inhalt der Planung
Bei der Vorbereitung einer Gartenschau ist ein mehrstufiger Planungsprozess zu betrachten: In der ersten Planungsebene sind die „Daueranlagen“ zu gestalten, also jene Bereiche, die auch nach der Gartenschau bestehen bleiben. Auf dieser Planungsebene befinden wir uns derzeit, wobei mit dem Vorliegen der Entwurfsplanung für die Kernzone der Gartenschau Ende des 1. Quartals 2019 zu rechnen ist. Auf dieser Grundlage wird in einer zweiten Planungsebene die eigentliche Ausstellung geplant. Diese Planung beinhaltet etwa die Standorte von Kassenhäuschen, temporären WC-Anlagen, Gastronomie und zusätzlichen Wechselflor-Flächen. Voraussichtlich wird die Bearbeitung dieser Planungsebene im Sommer 2019 beginnen mit dem Ziel, bis Anfang 2020 die Erstellung eines Ausstellungskonzeptes ausschreiben zu können. Als dritte Planungsebene in die Veranstaltungsplanung zu betrachten. Diese wird voraussichtlich Anfang 2020 beginnen.

Prägend für die Investitionen in die Daueranlage ist zunächst die grundhafte Überplanung und Instandsetzung der bereits bestehenden Parkanlagen. Leitendes Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität in den Parks zu erhöhen, die sich aus der Historie ergebenden Eigenheiten der einzelnen Parkanlagen zu betonen und dabei zugleich Baustandards zu vereinheitlichen und ein stimmiges Erscheinungsbild in der Gesamtbetrachtung zu erreichen.

Im Zuge dieser Planung soll zudem erreicht werden, die Parkanlagen für alle Nutzergruppen attraktiver zu machen. Durch eine Erleb- und Zugänglichmachung des Mühlenteichs in 3 großen Parkanlagen, die Errichtung eines „Generationenspielplatzes“ und die Anlage zweier Wasserspielplätze, wird die Attraktivität für Kinder und Familien erhöht. Durch die einheitliche Möblierung weiter Teile der Daueranlage mit Bänken für Menschen mit orthopädischen Leiden und die konsequente Berücksichtigung der Belange der Barrierefreiheit wird die Nutzbarkeit der Grünanlagen für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen wesentlich verbessert. Die Ergänzung der städtischen Parkanlagen um einen Sportpark, in dem neben verschiedenen Freizeitsportangeboten eine neue Skateanlage errichtet wird, erweitert auch das Angebote für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene.

Die Planungen der Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler 2022 sind ausgerichtet auf die Zahl von 800.000 erwarteten Besucherinnen und Besuchern. Diese Erwartung ist sicherlich ambitioniert, im Hinblick auf die Gästezahlen der vergangenen Jahre, der Erfahrungen anderer Gartenschauen und die Lage von Bad Neuenahr-Ahrweiler mit guter Erreichbarkeit aus dem Raum Köln/Bonn und dem Ruhrgebiet ebenso wie dem Rhein/Main-Gebiet aber gleichwohl realistisch. Dabei besteht das Ziel, einen möglichst großen Anteil dieser Gäste auch für mehrere Übernachtungen in der Region zu gewinnen. Die Daten der Ausrichterstädte vergangener Gartenschauen zeigen, dass dies in der Vergangenheit in unterschiedlichem Maße gelungen ist. Aufgrund der sehr gestreckten Lage der Ausstellungsflächen im Stadtgebiet, die einen Besuch der Landesgartenschau an mehreren Tagen sinnvoll erscheinen lässt, sowie der sehr guten bestehenden Angebote im Bereich der Hotellerie besteht jedoch die Erwartung, durch die Landesgartenschau 2022 auch signifikante Steigerungen der Übernachtungszahlen zu erreichen.

Übergeordnete Ziele: Nachhaltigkeit und Klimaneutralität
Über allem schwebt die Zielsetzung, den Tourismusstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler und die gesamte Region Ahrtal durch die Landesgartenschau nachhaltig nach vorne zu bringen. Die Investitionsmaßnahmen im Zuge der Landesgartenschau sind insgesamt auf das Ziel ausgerichtet, die errichteten Anlagen in möglichst großem Umfang auch nach der Veranstaltung in der Nutzung zu halten. Maßnahmen zur temporären Nutzung während der Landesgartenschau sollen auf den erforderlichen Umfang beschränkt werden. Durch öffentliche und private Investitionen in die touristische Infrastruktur wird der Tourismusstandort langfristig profitieren. Deutlich wird dies auch durch die bereits angesprochene Bündelung aller touristischen Kräfte in einer neuen Gesellschaft für Tourismus und Standortmarketing.

Ein wichtiger Aspekt der Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler 2022 ist die Klimaneutralität. In der konsequenten Umsetzung des ganzheitlichen Ansatzes der Landesgartenschau soll erreicht werden, dass die Veranstaltung bilanziell klimaneutral durchgeführt werden kann. Hierzu sind erste Anstrengungen auf den Weg gebracht: Ein „gläsernes Kraftwerk“ soll die Besucherinnen und Besucher bereits im Eingangsbereich auf das Thema Klimaneutralität aufmerksam machen und informieren. Zudem investieren die Ahrtal-Werke umfassend in den Ausbau des Fernwärmenetzes. Zur verstärkten Nutzung dieser effizienten und klimafreundlichen Wärmeerzeugung hat die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler für Teilbereiche bereits eine Satzung zum Anschluss- und Benutzungszwang auf den Weg gebracht. Weiterhin ist bis zur Landesgartenschau in mehreren Abschnitten der Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur für E-Bikes, Elektroautos und elektrisch betriebene Busse geplant.

Mobilität
Die Lage des Ausstellungsgeländes in der Stadt wird auch die Bereitstellung verschiedener Mobilitätsangebote für die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau erfordern. Hierzu gehören sicherlich ein Fahrradleihsystem, die Ausweitung einer bereits bestehenden touristischen Bahn („Ahrtal-Express“) und ggf. die Nutzung autonom fahrender Beförderungsmittel. Wesentlicher Bestandteil des veranstaltungsbedingten Mobilitätsangebotes wird die Einrichtung eines kostenfreien Shuttle-Busses sein. Zu prüfen bleibt, inwieweit dieser Bus auch nach der Gartenschau als „Stadtbus“ weiterbetrieben werden kann. Zudem ist zu gegebener Zeit mit dem VRM und dem Landkreis Ahrweiler zu klären, ob im Rahmen der Veranstaltung ggf. auch die kostenfreie Nutzung des ÖPNV ermöglicht werden kann. 

Zum Verkehrskonzept gehört zudem, dass die Anreise mit der Bahn möglichst umfassend genutzt wird. Die Voraussetzungen sind hierfür durch die stündliche durchgehende Verbindung nach Bonn, sowie zusätzliche Verbindungen bis Remagen mit Anschluss an die Rheintalbahn, günstig. Gleichwohl sind einzelne Maßnahmen Dritter erforderlich, um den Anforderungen an eine Landesgartenschau gerecht zu werden. Dies betrifft insbesondere die Herstellung eines barrierefreien Ausstiegs am Haltepunkt Ahrweiler Markt und die Verlängerung der Züge der Ahrtal-Bahn für die Zeit der Veranstaltung.